Ahmed Hussain – Selbstbestimmt in Wolfenbüttel

Portrait: Ahmed Hussain – Selbstbestimmt in Wolfenbüttel

Selbstbestimmt in Wolfenbüttel

Ahmed Hussain heißt eigentlich Saddam Hussain. Weil er jedoch festgestellt hat, dass dieser Name in Deutschland äußerst negative Assoziationen weckt, verwendet er lieber seinen zweiten Vornamen. Geboren wurde er 1993 im Sudan in der heutigen Bürgerkriegsregion Darfur. Der Islam ist in dem vom Militär regierten Land Staatsreligion. Aufgrund seiner Flucht konnte der gläubige Muslim, für den religiöse Toleranz allerdings selbstverständlich ist, seine Ausbildung zum Physiotherapeuten leider nicht beenden. Nach einer wahren Odyssee durch viele verschiedene Länder ist Ahmed in Wolfenbüttel angekommen. Seit 20 Monaten lebt er nun in Deutschland. Momentan wohnt er mit seiner Mutter, seinen zwei Schwestern und seinen beiden Brüdern in Dorstadt in der Samtgemeinde Oderwald. Der Vater hat es noch nicht bis Europa geschafft. Er wartet noch in Libyen auf die Chance nachzukommen.

 

„Ich bin glücklich, wenn ich anderen helfen kann!“

Ahmed Hussain ist ein fröhlicher Mensch. Trotz der schrecklichen Dinge, die er erlebt hat, merkt man ihm seine positive Grundeinstellung an. „Ich liebe helfen“ sagt er lachend und konkretisiert: „Ich bin glücklich, wenn ich anderen helfen kann und sie ein gutes Gefühl haben.“ Denn: „Man muss nicht nur nehmen, sondern auch geben. Du brauchst ein Ziel in deinem Leben“. Das ist der Grund, warum er „responsibility“, Verantwortung, übernehmen will und einen Beitrag leisten möchte für die Gesellschaft, in der er jetzt lebt. Er hat einen ganz großen Traum. Ahmed will nicht nur in Wolfenbüttel helfen, sondern in Deutschland und in der ganzen Welt. In zehn Jahren möchte er eine internationale Organisation gegründet haben. „Ich möchte mit Flüchtlingen arbeiten, weil sie Hilfe brauchen.“ Doch soweit ist ja noch nicht. Think global, act local, könnte sein Motto sein: „Es gibt viele junge, intelligente Flüchtlinge. In Deutschland haben sie die Chance, ihre Ziele zu erreichen.“ Für sie gibt es leider immer noch zu wenig Unterstützung, sagt er, gerade am Anfang, kurz nach der Ankunft.

 

Leidenschaft für Freiwilligenarbeit entwickelt

Doch wie kam es dazu, dass er sich zu engagieren begann? Als er in Europa ankam, überraschte ihn die große Anzahl der Flüchtlinge. Beim französischen Roten Kreuz half er als Dolmetscher aus: „Ich konnte wenigstens Englisch, andere können das nicht.“ Auch in Deutschland übersetzte er für andere Geflüchtete und begleitete sie bei Behördengängen und Arztbesuchen. Erst übersetzte er vom Arabischen ins Englische und später vom Arabischen ins Deutsche. Bei dieser Tätigkeit lernte er seinen heute besten Freund kennen, einen Iraker.
Mittlerweile hat er eine – wie er es nennt – „Leidenschaft für Freiwilligenarbeit“ entwickelt. Er engagiert sich deshalb seit dem Frühjahr 2017 für „Peers helfen – Selbstbestimmt im neuen Land“, ein Integrationsprojekt der Freiwilligenagentur. Dazu gehört, dass er die beiden Hauptamtlichen und die Geflüchteten bei den Exkursionen begleitet, zum Beispiel zur Freiwilligen Feuerwehr in Wolfenbüttel und zum Haus der Kulturen in Braunschweig. Außerdem organisiert er weitere Angebote, die im Rahmen des Projekts stattfinden, plant einen Gitarrenkurs und eine Nähwerkstatt („Das ist
sinnvoll, um Kosten zu sparen.“), die von Neuzugewanderten für Neuzugewanderte angeboten werden.

 

Zweite Leidenschaft: der Fußball

Ahmed hat noch eine zweite Leidenschaft: Fußball. Da lag es nur nahe, dass er der Kapitän einer der beiden Mannschaften wurde, die am 6. Mai für das „Peers helfen“-Projekt beim Fußballturnier zur Inklusion in Schöppenstedt antraten. Sein Team „One Nation“ setzte sich aus zehn Spielern aus verschiedenen Ländern zusammen (darunter drei Kinder), die derzeit in der Stadt und im Landkreis Wolfenbüttel sowie in Braunschweig leben. Dem sportlichen Erfolg – der dritte Platz – folgten Einladungen zu weiteren Turnieren von integrativen, interkulturellen Mannschaften in Wolfenbüttel und Braunschweig.
Sein größter Erfolg ist jedoch gar nicht in Zahlen zu messen. Denn Ahmed schafft es, Menschen zusammenzubringen – und hilft dabei, dass sie sich hier in ihrer neuen Heimat wohlfühlen. Und damit die Deutschen und die Neuzugewanderten „One Nation“ werden.

Selbstbestimmt in Wolfenbüttel

 

Das Projekt „Peers Helfen – Selbstbestimmt im neuen Land“ wird unterstützt von der „Aktion Mensch“ und hat zum Ziel, innerhalb von 3 Jahren 90 Neuzugewanderte in das Ehrenamt zu bringen und 45 Institutionen dahingehend zu sensibilisieren, dass sie Neuzugewanderte als Ehrenamtliche einsetzen.