Mit Unterstützung die Zukunft meistern

Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe

Minderjährige Flüchtlinge brauchen Unterstützung – mit ehrenamtlicher Hilfe die Zukunft meistern

„Kann ich bitte ein Stück Schokolade haben?“ Diese Frage nach einem Betthupferl macht Christiane Hunke, Leiterin der städtischen Einrichtungen für unbegleitete Flüchtlinge, glücklich. Sagt ihr dieser Satz doch, dass die Jugendlichen Strukturen verstanden haben, Regeln akzeptieren und sie sich bemühen Deutsch zu lernen. Er zeigt aber auch, dass diese auf der Flucht viel zu früh scheinbar erwachsen gewordenen Jugendlichen, die noch dazu oft schwer traumatisiert sind, sich nach einem Stück Kindheit, einem Stück normalen Leben sehnen. Sie brauchen neben dem sicheren Schlafplatz, den geregelten Mahlzeiten, Menschen, die sich um sie kümmern, die Ihnen Integration ermöglichen, mit Ihnen basteln, zum Sport gehen, ihnen deutsche Kultur zeigen, sie aber auch zum Arzt und in verschiedene Ämter begleiten.
Das können das Jugendschutzhaus und die anderen städtischen Einrichtungen, die sich um minderjährige allein stehende Jugendliche kümmern, nicht alleine leisten. Hier schlägt die Stunde der Freiwilligen. Rund dreißig Frauen und Männer jeder Altersstruktur haben sich am Donnerstagabend auf Einladung der Freiwilligenagentur in der Alten Waage eingefunden um ein Fortbildungsprogramm zur Erstorientierung von Ehrenamtlichen zum Einsatz in der begleitenden Flüchtlingshilfe zu absolvieren, das mit viel Aufwand gut vorbereitet war und wozu es reichlich Informationsmaterial gab. Das klingt trockener als es die teilweise wirklich interessanten Hilfsangebote waren, wobei Begleitung zum Besuch im Stadion zu Spielen „unserer“ Eintracht zwar der unangefochtene Wunsch-Hit schien, aber auch zahlreiche Sprachangebote auf den Tisch kamen.

Zukunft meistern

Helfen wollen, helfen können, helfen dürfen, so könnte man diese Informations- und Fortbildungsveranstaltung auch überschreiben. Alle Teilnehmer wussten schon aus den Erstgesprächen was Ihnen Astrid Hunke, Leiterin der Freiwilligenagentur, nochmal deutlich machte: Wer will was? Es geht konkret um das was gebraucht wird und das was angeboten werden kann und das verlässlich und dauerhaft und so koordiniert, dass dabei möglichst wenige Reibungsverluste entstehen. Dass weder die Freiwilligen mit ihren Hilfsangeboten ins Leere laufen noch die Einrichtungen, die diese Jugendlichen betreuen, Hilfsangebote zurücknehmen müssen, weil sie keine verlässlichen Partner haben.

Zukunft meistern

Ziel ist es, die jungen Menschen so schnell wie möglich zu integrieren und eigenständig zu machen. Je besser das bereits am Anfang gelingt umso weniger Probleme gibt es später. In Braunschweig brauchte man sich bis vor kurzem für die Betreuung von Flüchtlingen kaum Gedanken zu machen. Diese wurden für kürzere oder längere Zeit in der Landesaufnahmebehörde (LAB) untergebracht und dann weiter verteilt. Jetzt stehen neben den Familien mit Kindern und Erwachsenen deren Flucht bei uns endet, plötzlich auch minderjährige alleinstehende Flüchtlinge vor der Tür – 250 waren es bislang, derzeit sind 30 in einer Einrichtung, die mal für zehn Jugendliche geplant war.

Zukunft meistern

Amüsant und engagiert schildert Christiane Hunke die Probleme die sich ergeben. Sie berichtet vom langsam wachsenden Vertrauen, von kulturellen Unterschieden, von der Begeisterung über warme Duschen. Es handelt sich ja eigentlich um Kinder, die um die Kindheit betrogen, junge Erwachsene, Machos aus völlig anderen Kulturen, teils hochgebildet, teils Analphabeten – nebenbei bemerkt: allein reisende weibliche Flüchtlinge unter 18 sind die Ausnahme und werden woanders untergebracht. Sie alle brauchen Wegbegleiter die ihnen nicht nur bei der sprachbegleitenden Ausbildung helfen, die mit Ihnen basteln, im Garten der Einrichtung arbeiten, mal ein Fahrrad reparieren, beim Erlangen des Fahrradführerscheins helfen, kochen oder Kulturangebote nutzen, die ihnen aber auch bei den praktischen Dingen der Eingliederung helfen – das alles mit herzlich gesunder Distanz wie es Christiane Hunke von der Stadt Braunschweig erläutert. In dem gut zweistündigen Kurs wird sehr schnell klar, dass für Sozialromantiker in diesem sensiblen Bereich kein Platz ist, dass es handfeste Regeln gibt, aber auch, dass kein Angebot ungenutzt bleiben muss, wie es Dr. Michael Fürstenberg vom Institut für Sozialwissenschaften der TU Braunschweig deutlich macht, der die Ideen der Teilnehmer sammelte und zusammenführte. Dabei ist auch geplant, dass diese sich untereinander vernetzen und gemeinsame Hilfsangebote starten.

Zukunft meistern

Wer sich den Umgang mit den Jugendlichen nicht zutraut, für den gibt es Aufgaben in den Kinderschutzeinrichtungen selbst. Hier sucht man händeringend jemanden, der beim Einkauf im Großmarkt hilft, und/oder Büro- und Organisationsaufgaben unterstützend wahrnimmt. Da Braunschweig bislang eher Durchgangsstation als Dauerstandort für Flüchtlinge war, gibt es noch nicht allzu viele gewachsene Strukturen. Vieles ist noch im Entstehen, muss aufgebaut, organisiert werden, Herausforderung und Chance für die Helfer, die an diesem Abend viel lernten, auch wie ihre eigene rechtliche Situation ist, welche Unterlagen sie benötigen, z.B. wie bei jeder Arbeit mit Minderjährigen ein polizeiliches Führungszeugnis. Es wird weitere Schulungen geben für andere Flüchtlingssituationen.
Text: Eva-Maria Dennhardt

Die Freiwilligenagentur ist die professionelle Einrichtung, die die Aufnahme von Ehrenamtlichen vornimmt und diese dann vorbereitet. Sie übernimmt die Steuerung aller wichtigen Erstformulare – sie sind Voraussetzung für eine Vermittlung. Von hier aus werden Vermittlungen direkt in Zusammenarbeit mit den Institutionen erfolgen.
Kontakt: Freiwilligenagentur Braunschweig 0531/4811020 oder info.bs (at) freiwillig-engagiert.de.

Zukunft meistern - mit ehrenamtlicher Hilfe