Zivilcourage an der Schule

Projektwoche: Zivilcourage an der Henriette-Breymann-Gesamtschule

Wolfenbüttel. Die 27 Kinder der 8. Klasse der Henriette-Breymann-Gesamtschule lauschten gespannt, was die junge Frau zu erzählen hatte. Suzan Alhamoud ist 33 Jahre alt und stammt aus Syrien. Sie ist vor drei Jahren über Italien nach Deutschland geflohen und hat sich mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Wolfenbüttel gut eingelebt. Und doch sei sie manchmal traurig, wenn sie an den Krieg in ihrem Heimatland und an ihren dort getöteten Bruder denkt. Tief beeindruckt stellten die Mädchen und Jungen ihr Fragen, die sie bereitwillig beantwortete. So erfuhren die Jugendlichen viel über ihr Leben in Syrien und Deutschland. Gerne würde sie eines Tages zurück nach Syrien gehen, auch wenn die medizinische Betreuung für ihr behindertes Kind hier besser sei. „Wurden Sie schon mal in Deutschland rassistisch beleidigt?“, fragt ein Mädchen. „Zum Glück bisher nur selten“, antwortet sie. Suzan hat schon viel erlebt. Viel Gutes, aber auch einiges, was einen traurig stimmen kann. Majda Lamssyeh, Mitarbeiterin der Freiwilligenagentur und in Marokko geboren, übersetzte für Suzan bei den komplexeren Fragen und Antworten.

Das Gespräch fand im Rahmen des Workshops „Flucht und Zivilcourage“ statt, der am 5. September im Rahmen der alljährlichen Projektwoche der Wolfenbütteler Gesamtschule stattfand. Im zweiten Teil des Workshops beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler erst mit Fluchtursachen und Lösungsansätzen, bevor sie in Gruppenarbeit Collagen aus Zeitungsfotos, -artikeln und -schlagzeilen erstellten. Eifrig schnitten sie Schnipsel aus, klebten und malten, frei assoziierend, mit viel Witz und Geschick. Axel Klingenberg, Mitarbeiter der Freiwilligenagentur Jugend-Soziales-Sport e.V. und dort im Bundesprogramm „Demokratie leben!“ zuständig, leitete den Workshop, unterstützt von zwei aus Afghanistan stammenden Praktikanten. Am nächsten Tag präsentierten sie die andere Schülerin*nen, den Lehrer*innen und den Gästen ihre Werke sowie die anderen Ergebnisse des Workshops, ergänzt um Informationen um das schöne Land Syrien.

Fazit: Die Projektwoche der Henriette-Breymann-Gesamtschule war ein voller Erfolg! Weil sie den Jugendlichen Abwechslung vom schulischen Alltag bot, sie aber auch mit Themen in Berührung brachte, mit denen sie sich sonst nicht unbedingt beschäftigen. Dazu zählten zum Beispiel auch kulturelle Vielfalt und sexuelle Toleranz sowie Vorurteile und Selbstbehauptung. Und eben Flucht und Zivilcourage.