„Mehr Demokratie für uns“ -Dokumentation

Protokolle des Workshops „Mehr Demokratie für uns“

Workshop in der Brunsviga


Am 12. Dezember 2023 haben wir uns um 18 Uhr im kleinen Saal des Kulturzentrums Brunsviga zur Abschlussveranstaltung des Projekts „Wir wollen noch mehr Demokratie“ getroffen. Es hatte im Sommer 2022 begonnen und war eine Verlängerung des 2019 gestarteten Projekts „Wir wollen Demokratie“. Beide Projekte wurden von der Aktion Mensch gefördert.

Der Workshop selbst hieß „Mehr Demokratie für uns“ und wurde von „Demokratie leben!“ Braunschweig finanziell mit unterstützt.   


Mehr Demokratie für uns – Was geht das mich an? Wie können wir mitmachen?


Der Projektmitarbeiter Axel Klingenberg begrüßte die 35 Gäste und wies auf den großen Erfolg des Projektes hin: Viele Menschen konnten motiviert werden, sich politisch zu engagieren!

Nele Badeda, Leiterin der Freiwilligenagentur Jugend-Soziales-Sport e.V., stellte ihre Einrichtung und das Projekt kurz vor. Sie bedankte sich bei allen Teilnehmenden, den Kooperationspartnern und den Förderern. Projektmitarbeiter Oliver Ding schilderte, wie „Wir wollen noch mehr Demokratie“ mit den anderen Projekten der Freiwilligenagentur zusammenhängt.
Er lud auch dazu ein, die Ausstellung „Mein Lieblingsort“ zu besuchen. Sie ist im Kulturzentrum Brunsviga ausgestellt.

Es gibt viel zu meckern und das zu Recht



Dann begann der Workshop, der von Christian Sielaff moderiert wurde. „Ihr seid das Beispiel dafür, dass man etwas bewegen kann!“, sagte der Historiker und Kinderbuchautor. 

Die Erfolge des Projektes wurden an zahlreichen Beispielen festgestellt:

  • Christian Plock, Mitglied des Bezirksrats Nordstadt-Schunteraue, und Thomas Martin vom Behindertenbeirat Braunschweig haben häufig Veranstaltungen des Projektes „Wir wollen Demokratie“ begleitet.
    Herr Plock hat mit Kund:innen der Lebenshilfe Braunschweig viele Themen besprochen und mit ihnen gemeinsam Bezirksratssitzungen besucht. „Er hat uns gezeigt, wie wir als Menschen mit Beeinträchtigungen wählen und mitmachen können. Dafür sind wir sehr dankbar“, erzählte Michaela Bosse. Auch Thomas Martin stand den Teilnehmenden als Ansprechpartner für Sorgen und Fragen zu Verfügung. „Beide haben uns sehr geholfen“, lobte Frau Bosse.
  • Der Teilnehmer Claus Everding (Kunde bei der Lebenshilfe Braunschweig) berichtete, dass er durch das Projekt dem Mobilitätsbeirat der Braunschweiger Verkehrs GmbH beigetreten sei. 
  • Die Freiwilligenagentur besuchte insgesamt fünfmal mit Teilnehmenden den Landtag in Hannover. Dabei gab es Gespräche mit verschiedenen Abgeordneten zu Themen rund um die aktuelle Politik, zu Fragen zur Inklusion und zu fairer Bezahlung für Menschen mit Beeinträchtigung im Arbeitsleben. Bei der einen Fahrt gab es sogar die Möglichkeit, sich mit dem Ministerpräsidenten Stefan Weil fotografieren zu lassen. Die Chance wurde unter anderem von dem aus Afghanistan stammenden Herrn Zolmai Halimi genutzt, der als Begleiter mitgefahren war. Bei allen Fahrten konnten auf der Besuchertribüne des Plenarsaals verschiedene Debatten verfolgt werden. „Wir hatten einen schönen Vormittag“, zog Michaela Bosse das Fazit.
  • Oliver Ding berichtete, dass es Veranstaltungen zum Thema Digitalisierung gab. Dabei wurden Videos mit Interviews zum Thema „Tempo in die Inklusion bringen“ gezeigt und Vorträge und Workshops zur Digitalisierung angeboten.  
  • „Es gibt immer Menschen, die helfen wollen“, stellte der Dozent Christian Sielaff als Zwischenfazit fest. „Die Voraussetzung dafür ist, Mut zu haben!“
  • Es gab einen Artikel in der Braunschweiger Zeitung mit dem Titel „Menschen mit Behinderungen wollen mehr Demokratie!“ Dadurch war u.a. Bundestagsabgeordnete Frau Otte (Bündnis 90/Die Grünen) auf das Projekt aufmerksam geworden. „Es hat uns sehr gefreut, dass eine Politikerin sich bemüht hat, zu uns Menschen mit Beeinträchtigungen zu kommen und mit uns über das Projekt zu sprechen“, meinte die Projektteilnehmende Michaela Bosse). Leider musste das Treffen krankheitsbedingt kurzfristig abgesagt werden. Die Freiwilligenagentur plant ein nachträgliches Treffen mit Frau Otte in Berlin im Bundestag.
  • Der Behindertenbeirat Braunschweig wurde von Ehrenamtlichen aus dem Projekt bei seinem Inklusions-Parcours unterstützt. Hierbei wurden zum Beispiel Blindheit oder Gehbeeinträchtigungen simuliert. Auch Hindernisse, die insbesondere für Rollstuhlfahrer:innen schwer zu überwinden sind, wurden aufgebaut. „Die Teilnehmenden haben dabei viel Empathie mit Menschen mit Beeinträchtigung gewonnen“, lobte Demirbas Aytekin.

Das Projekt „Wir wollen Demokratie“ hatte viele Materialen zur Information zur Verfügung



Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden oft selbst aktiv!

  • Eine Teilnehmerin hatte auf der Website der Freiwilligenagentur über Inklusion in der Stadtbibliothek berichtet. Als Fortschritt sah sie insbesondere den barrierefreien Zugang und die niedrigen Servicetresen an.
  • Mehrere Teilnehmer, die im Siegfriedviertel wohnen, besuchten eine Aktion der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus für Demokratie und erinnerten sich dabei an die provozierenden Aktionen von Rechtsextremisten auf dem Nibelungenplatz.
  • Ein weiteres Highlight des Projektes war ein Seminar zum Erkennen von Falschgeld, das von der Deutschen Zentralbank angeboten wurde. Die abwechslungsreiche und informative Veranstaltung in der Landeskirchlichen Gemeinschaft hatte den Teilnehmenden viel Spaß gemacht.
  • Im Siegfriedviertel gab es eine inklusive Veranstaltung zum Thema „Klassismus“, in der Thomas Wellner (sehbeeinträchtigter Teilnehmer des Projektes) über seine Diskriminierungserfahrungen aufgrund seiner sozialen Herkunft sprach.  
  • Es wurde über weitere Sommeraktionen berichtet und der Wunsch geäußert, dass die Gehwege frei von E-Scootern sein sollten, da diese geh- und sehbeeinträchtige Menschen gefährden und behindern würden. Dazu gab es eine Frage aus der Runde: Was kann man tun, wenn man durch E-Scooter im Alltag behindert wird? Die Antwort: Einfach E-Mail mit Beweisbildern an den Zentralen Ordnungsdienst der Stadt Braunschweig senden.


Wo können wir unsere Wünsche mitteilen?



Wo können wir unsere Wünsche mitteilen?

  • Anschließend gab es eine weitere Frage aus dem Publikum: Welche Anlaufstellen für Menschen mit Behinderung gibt es in Braunschweig?  
    Sonja Keienburg („Braunschweig Inklusiv“) beantwortete diese Frage: „Es gibt zum Beispiel die Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung und natürlich die Freiwilligenagentur.“ Weitere Gremien und Interessenvertretungen sind die Bezirksräte und Bewohnervertretungen sowie Sprecherräte und das Bürgerbüro der Stadtverwaltung. Es lohnt sich auch, Bürgerbefragungen oder den Bürgerstunden der Politiker teilzunehmen.“
  • Auch Stefan Lange und Demirbas Aytekin vom Braunschweiger Behindertenbeirat, nutzten die Gelegenheit, sich und ihre Arbeit vorzustellen. Dabei kam die Frage auf: Welche Erfolge gibt es in Braunschweig in Bezug auf Barrierefreiheit? Genannt wurden der Umbau des Hauptbahnhofs mit Leitstreifen und der Bau des Fahrstuhls bei Kaufland in der Hamburger Straße. Auch beim Thema Mobilität gibt es Fortschritte. „Für mobilitätseingeschränkte Personen ist das Leben in Braunschweig sehr lebenswert, auch im Vergleich mit anderen Großstädten“, sagte Demirbas Aytekin. „Denn wir werden gefragt, wir werden gehört – die Politiker hier in der Stadt sind zugänglich.“
  • Auch öffentliche Verkehrsmittel wurden bei der Veranstaltung thematisiert. „Was ich gut finde, ist, dass Rampen ausgefahren werden, um Rollstuhlfahrern das Bus- und Bahnfahren zu ermöglichen“, meinte Claus Everding. „Mit der Braunschweiger Straßenbahn kommst du als rollender Mensch in jede Straßenbahn rein und wieder raus.“
  • Weitere Forderungen von Teilnehmenden war der Ausbau von Jugendverkehrsschulen ausbauen und die Schaffung von Lehrschwimmbecken schaffen. Auch sollten (Lasten-)Fahrräder allen beeinträchtigten Menschen zur Verfügung gestellt werden.
  • Zu guter Letzt stellte Christian Vaterodt die Bürgervertretung Neuerkerode vor. Er bekam dabei viel Lob von einer Teilnehmerin. „Seitdem mein Bruder bei euch wohnt, ist er sehr selbstständig geworden“, sagte Michaela Bosse.

Sammlung von Stichworten an der Medienwand



Texte (Inhalte, Protokolle, Mitschriften, Überarbeitung) zur Dokumentation:
Sila Barlas, Golban Azizi, Axel Klingenberg, Oliver Ding

Fotos: Nizar Fahem (dejavu photography)

Die Veranstaltung wurde unterstützt von Demokratie Leben Braunschweig